Die Landtagswahlen 2026 in Deutschland sind der Schlüssel zur politischen Richtungsentscheidung des Jahres – gleich vier Bundesländer wählen neue Landesparlamente, und die Ergebnisse werden die Kräfteverhältnisse im Bundesrat und die Dynamik der Bundespolitik bis zur nächsten Bundestagswahl maßgeblich prägen. Wer den Wahltermin 2026 verstehen will, muss die Termine, die betroffenen Länder, die besonderen Wahlrechtsregeln und die aktuellen Umfragewerte kennen. Diese Übersicht liefert alle entscheidenden Fakten kompakt und aktuell.
L’essentiel en bref
- 2026 finden Landtagswahlen in vier Bundesländern statt: Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern – Berlin wählt das Abgeordnetenhaus.
- Baden-Württemberg erprobt 2026 erstmals ein neues Wahlrecht mit frei wählbaren Kreisen und landesweiten Ausgleichsmandaten.
- Die AfD könnte laut aktuellen Prognosen in mehreren Ländern zweitstärkste Kraft werden – mit direkten Folgen für mögliche Koalitionsbildungen.
- Der Wahl-O-Mat bietet ab etwa vier Wochen vor jedem Wahltermin eine Orientierungshilfe zum Vergleich der eigenen Positionen mit den Parteiprogrammen.
Termine der Landtagswahlen 2026 im Überblick
Die Landtagswahlen 2026 verteilen sich über das gesamte Jahr – von März bis September werden die Landesparlamente in vier Bundesländern neu gewählt. Hinzu kommt die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, die ebenfalls 2026 ansteht.
| Datum | Land | Wahlart | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| 8. März 2026 | Baden-Württemberg | Landtagswahl | Erstmals neues Wahlrecht mit freien Kreisen |
| 8. März 2026 | Rheinland-Pfalz | Landtagswahl | Parallelwahl zu Baden-Württemberg |
| 14. Juni 2026 | Sachsen-Anhalt | Landtagswahl | Vorgezogene Neuwahl nach Regierungsbruch |
| 13. September 2026 | Mecklenburg-Vorpommern | Landtagswahl | Wahlalter ab 16 Jahren |
| 27. September 2026 | Berlin | Abgeordnetenhauswahl | Wahlalter ab 16 Jahren, offene Listen |
Die Termine sind nicht zufällig gewählt. Die März-Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gelten als erster Stimmungstest für die Bundespolitik nach der Bundestagswahl 2025. Sachsen-Anhalt wählt vorgezogen, weil die bisherige Koalition aus CDU, SPD und FDP zerbrochen ist.
Die politische Ausgangslage in den betroffenen Ländern
In jedem der vier Länder und in Berlin regieren unterschiedliche Konstellationen – und überall zeichnen sich 2026 Machtverschiebungen ab. Die Umfragen zeigen deutliche Zugewinne für die AfD, während die Ampelparteien in den Landesparlamenten um den Einzug kämpfen.
- Baden-Württemberg: Grün-Schwarz unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann – nach dessen Rückzug führt die Grünen-Spitzenkandidatin das Bündnis an. Die CDU fordert das Amt des Ministerpräsidenten zurück.
- Rheinland-Pfalz: SPD-Minderheitsregierung unter Alexander Schweitzer – eine Koalition mit der CDU oder ein Bündnis aus SPD, Grünen und FDP sind nach der Wahl möglich.
- Sachsen-Anhalt: Nach dem Bruch der Kenia-Koalition aus CDU, SPD und FDP regiert eine Minderheitsregierung – Neuwahlen im Juni sollen Klarheit schaffen.
- Mecklenburg-Vorpommern: Rot-Rote-Koalition unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig – die SPD kämpft gegen die erstarkte AfD um Platz eins.
- Berlin: Rot-Schwarz-Grün unter dem regierenden Bürgermeister Kai Wegner – die Wiederholungswahl 2023 hat die CDU gestärkt, die SPD verlor.
Was die Ergebnisse für die Bundespolitik bedeuten
Die Landtagswahlen 2026 entscheiden über die Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat – und damit über die Durchsetzbarkeit der Bundespolitik. Nach den Wahlen verändern sich die Stimmanteile der Länder in der Länderkammer, was insbesondere bei zustimmungspflichtigen Gesetzen wie Steuerreformen oder Föderalismusfragen relevant wird.
| Land | Stimmen im Bundesrat | Aktuelle Regierung | Mögliche Szenarien nach der Wahl |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 6 | Grün-Schwarz | Wechsel zu Schwarz-Grün oder Grün-Rot |
| Rheinland-Pfalz | 4 | SPD-Minderheit | Große Koalition oder Ampel-Koalition |
| Sachsen-Anhalt | 4 | Minderheitsregierung | Neuauflage Kenia oder Deutschland-Koalition |
| Mecklenburg-Vorpommern | 3 | Rot-Rot | Rot-Rot oder große Koalition |
| Berlin | 4 | Rot-Schwarz-Grün | Fortsetzung oder Wechsel zu Schwarz-Grün |
Die Verschiebung von nur wenigen Bundesratsstimmen kann die Mehrheitsverhältnisse kippen. Aktuell verfügt das Lager aus Union und SPD über eine knappe Mehrheit – nach den Wahlen 2026 könnte sich das ändern, falls die AfD in mehreren Ländern an der Regierungsbildung beteiligt wird oder Sperrminoritäten entstehen.
Besonderheiten des Wahlrechts 2026
Die Landtagswahlen 2026 bringen zwei wesentliche Neuerungen im Wahlrecht: Baden-Württemberg erprobt ein völlig neues Wahlsystem, und in Mecklenburg-Vorpommern sowie Berlin dürfen erstmals Jugendliche ab 16 Jahren wählen. Diese Änderungen beeinflussen sowohl die Wahlergebnisse als auch die Wahlkampfstrategien der Parteien.
Das neue Wahlrecht in Baden-Württemberg
Baden-Württemberg führt 2026 ein Wahlrecht mit frei wählbaren Kreisen ein. Statt der bisherigen starren Listenbewerbung können Wählerinnen und Wähler ihre Stimmen auf Kandidierende aus verschiedenen Kreisen verteilen – ähnlich dem Schweizer Modell. Die Landesliste wird abgeschafft, Ausgleichsmandate sorgen für proportionale Sitzverteilung.
Wahlalter ab 16 Jahren
In Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wird das aktive Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt. Rund 30.000 zusätzliche Erstwählerinnen und Erstwähler in Mecklenburg-Vorpommern und etwa 25.000 in Berlin können erstmals an einer Landtagswahl teilnehmen. Die Parteien richten ihre Kampagnen zunehmend auf junge Wählergruppen aus, insbesondere über soziale Medien und den Wahl-O-Mat.
Prognosen und Umfragen zu den Landtagswahlen 2026
Die aktuellen Umfragen zeigen ein uneinheitliches Bild: Während die AfD in Ostdeutschland deutlich zulegt, bleibt sie in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hinter den etablierten Parteien zurück. Die CDU liegt in fast allen Ländern vorn, die SPD kämpft um Platz zwei oder drei.
| Land | CDU/CSU | SPD | Grüne | AfD | FDP | Linke/BSW |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 30 % | 13 % | 23 % | 14 % | 5 % | 4 % |
| Rheinland-Pfalz | 32 % | 22 % | 12 % | 13 % | 5 % | 4 % |
| Sachsen-Anhalt | 29 % | 11 % | 6 % | 31 % | 3 % | 8 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 24 % | 25 % | 7 % | 22 % | 4 % | 10 % |
| Berlin | 24 % | 15 % | 17 % | 11 % | 4 % | 12 % |
Die Prognosen zeigen: In Sachsen-Anhalt könnte die AfD erstmals stärkste Kraft werden. In Mecklenburg-Vorpommern liefern sich SPD und AfD ein Kopf-an-Kopf-Rennen. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bleibt die CDU stärkste Partei, doch die Regierungsbildung wird komplexer, da klassische Zweierbündnisse rechnerisch schwieriger werden.
Koalitionsoptionen nach den Wahlen 2026
Die Parteienlandschaft fragmentiert sich – klassische Zweierkoalitionen werden seltener möglich. In mehreren Ländern zeichnen sich Dreierbündnisse ab, und die Frage der Zusammenarbeit mit der AfD bleibt das zentrale Thema der Regierungsbildung.
- Baden-Württemberg: Grün-Schwarz könnte weitergehen, doch ein Wechsel zu Schwarz-Grün mit der CDU als führender Kraft ist ebenso denkbar – oder ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP.
- Rheinland-Pfalz: Die SPD könnte mit Grünen und FDP eine Ampel fortsetzen, oder die CDU bildet mit SPD und Grünen eine Kenia-Koalition.
- Sachsen-Anhalt: Eine Neuauflage von CDU, SPD und FDP ist möglich, ebenso wie ein Bündnis aus CDU und BSW – die Zusammenarbeit mit dem BSW bleibt jedoch umstritten.
- Mecklenburg-Vorpommern: Rot-Rot könnte weitergehen, doch eine große Koalition aus SPD und CDU wird wahrscheinlicher, falls die Linke den Einzug verfehlt.
- Berlin: Rot-Schwarz-Grün könnte fortgesetzt werden, oder die CDU bildet mit Grünen und FDP ein Deutschland-Bündnis.
Der Wahl-O-Mat als Entscheidungshilfe
Der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung bietet vor jeder Landtagswahl einen interaktiven Vergleich zwischen den eigenen politischen Positionen und den Programmen der antretenden Parteien. Das Tool wird etwa vier bis sechs Wochen vor dem Wahltermin freigeschaltet und ist kostenlos online nutzbar.
Die Nutzung ist einfach: Man beantwortet 30 bis 40 Thesen mit „stimme zu“, „stimme nicht zu“ oder „neutral“, gewichtet die wichtigsten Themen zusätzlich und erhält anschließend eine Prozentübereinstimmung mit jeder Partei. Der Wahl-O-Mat ersetzt keine Wahlentscheidung, bietet aber eine fundierte Orientierung – insbesondere für Erstwählerinnen und Erstwähler, die 2026 erstmals wählen dürfen.
Medienberichterstattung und Live-Übertragungen am Wahltag
Die Landtagswahlen 2026 werden von den öffentlich-rechtlichen Sendern umfassend begleitet. Die ARD bietet ab 18 Uhr Hochrechnungen und Analysen, das ZDF startet seine Wahlberichterstattung ebenfalls am frühen Abend. Die Ergebnisse werden live in den Online-Portalen der großen Nachrichtenmedien veröffentlicht.
Für die Wahlabende sind Sondersendungen geplant, in denen Experten die ersten Hochrechnungen einordnen und mögliche Koalitionen durchrechnen. Die Plenarsitzungen der neu gewählten Landesparlamente finden in den Wochen nach der Wahl statt – die konstituierenden Sitzungen werden live im Internet übertragen.
Häufige Fragen zu den Landtagswahlen 2026
Wann finden die Landtagswahlen 2026 statt?
Die Landtagswahlen 2026 finden am 8. März (Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz), am 14. Juni (Sachsen-Anhalt) und am 13. September (Mecklenburg-Vorpommern) statt. Berlin wählt das Abgeordnetenhaus am 27. September 2026.
Wer darf bei den Landtagswahlen 2026 wählen?
Wahlberechtigt sind deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, die mindestens 18 Jahre alt sind – in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gilt das Wahlalter ab 16 Jahren. Zudem muss man seit mindestens drei Monaten im jeweiligen Bundesland gemeldet sein.
Was ist der Unterschied zwischen Landtagswahl und Bundestagswahl?
Bei Landtagswahlen werden die Abgeordneten des Landesparlaments gewählt, das für Bildung, Polizei, Kommunales und Kultur zuständig ist. Die Bundestagswahl bestimmt die Zusammensetzung des Deutschen Bundestages, der über Bundesgesetze und den Haushalt entscheidet.
Welche Parteien treten bei den Landtagswahlen 2026 an?
Die etablierten Parteien CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke und AfD treten in allen Ländern an. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) ist in den ostdeutschen Ländern und in Berlin auf dem Stimmzettel, in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sammelt es derzeit Unterschriften für die Zulassung.
Wie funktioniert die Briefwahl bei den Landtagswahlen 2026?
Briefwahl kann bei der eigenen Gemeinde beantragt werden – online, schriftlich oder persönlich. Die Unterlagen werden etwa sechs Wochen vor dem Wahltermin verschickt. Der ausgefüllte Brief muss bis zum Wahltag um 18 Uhr bei der zuständigen Stelle eingehen.
Über die Autorin
Dieser Beitrag wurde von Lisa Fleischer verfasst. Lisa Fleischer analysiert seit mehreren Jahren die politische Entwicklung in Deutschland mit Fokus auf Landtagswahlen, Wahlrecht und Koalitionsbildungen. Ihre Beiträge erscheinen regelmäßig auf diesem Portal und verbinden aktuelle Umfragedaten mit verständlichen Erklärungen der politischen Zusammenhänge.
